Gong nach der Pause - Ein neues Stück aus Ebersheide

Wir werden jetzt Zeuge einer neuen Provinzposse Marke Barnim. Das Stück hat gerade angefangen. Hauptdarsteller sind zwei Nachbarn. Es sind Amtspersonen, sog. Hauptverwaltungsbeamte, zu Deutsch Bürgermeister.wappen eberswalde

Der eine - Dorfschulze - will sein Dorf größer machen. Er braucht Geld und neue Bürger, die noch einmal Geld, sprich Steuern und Schlüsselzuweisung, bringen und natürlich Kinder. So hofft er, dem demographischen Wandel, also dem vorhergesagten Bevölkerungsrückgang, ein Schnippchen zu schlagen. Flugs hat er sich ein Stück Land ausgeguckt, daß dem Dorf gehört. Das hat er parzelliert und das will er nun als Bauland verkaufen. Das Stück Land liegt - das ist das Problem - genau an der Grenze zu seinem Nachbarn, dem Stadtschulzen.

Wappen SchorfheideAuch der mag den Bevölkerungsrückgang nicht und fürchtet zu Recht, daß ein paar Bürger nicht in die Stadt sondern auf's Dorf ziehen. Vielleicht wollen einige ja sogar aus der Stadt wegziehen. Das darf nicht sein!

Deshalb hat er etwas gegen die Pläne seines Nachbarn, des Dorfschulzen. Er will ihm sein Vorhaben durchkreuzen. Dazu hat er sich Unterstützung vom Landesfürsten in Potsdam geholt. Dessen Beamte sind nämlich der Meinung, daß die Pläne des Dorfschulzen nicht so recht zu den Zielen der Landesplanung passen. Was da entstehen soll, ist eine Splittersiedlung. So etwas will der Fürst nicht haben. Nun hat er aber ein Problem: Der Dorfschulze beruft sich auf ein Dekret, wonach er in seinem Dorf allein bestimmen darf.

Der Streit zwischen diesen beiden Bürgermeistern kann auf eine langjährige Tradition zurückblicken. Jeder mißgönnt dem anderen den Erfolg, besonders natürlich, wenn er die eigenen Interessen berühren könnte. Alle können sich noch gut an den Streit um einen Supermarkt erinnern, den der Dorfschulze haben wollte und der dem Stadtschulzen so gar nicht schmeckte, denn nun gab es ja Städter, die zum Einkauf "fremd gingen". Das war vor der Pause. Der Streit wurde beigelegt. Wie in einem Rechtsstaat unter dem Fürsten in Potsdam üblich, gab es einen "Deal". Damals war es ein Grundstücksdeal. Der Stadtschulze bekam ein großes Stück Land geschenkt und einen Sportplatz dazu und war fortan ruhig. Auch jetzt wird das Ganze wieder in einem Deal enden - wetten daß?

Aber so einfach und schnell geht das natürlich nicht! Vorher wollen die beiden Kontrahenten noch die Messer wetzen und die Klingen kreuzen. Ort des Duells soll das Oberverwaltungsgericht im Großdorf Berlin sein. Und damit das Duell auch ordentlich abläuft lassen sich die Kämpfer das ein paar tausend Euronen kosten - es ist ja nicht ihr Geld! Damit bezahlen sie ihre Sekundanten - die heißen jetzt Anwälte - und es müssen natürlich die besten, d.h. die teuersten sein! Sie bezahlen auch den Schiedsmann. Der nennt sich Oberverwaltungsrichter und er tut so, als ob er von seinen Brötchengebern, dem Fürsten und dem Oberschulzen, ganz ganz unabhängig ist und "Recht" spricht. Trotzdem kann es natürlich sein, daß die Lakaien mit dem Richterspruch nicht einverstanden sind. Dafür gibt es dann den Oberschiedsmann. Der nennt sich jetzt Bundesverwaltungsrichter, sitzt im Königreich (ich korrigiere: Geenichraisch) Sachsen, in Klein Paris, wie unser Dichterfürst Johann Wolfgang Leipzig nannte, und auch der spricht nur Recht - was denn sonst? Aber das kann dauern!

Natürlich könnten die beiden Hauptverwaltungsbeamten sich daran erinnern, daß sie als erwachsene Menschen gelten, sich an einen Tisch setzen und gleich ihren Deal aushandeln. Aber dann hätten wir ja nicht so ein schönes, teures Theaterstück und die Stadtschreiber könnten nicht so interessant berichten. Aber vielleicht haben wir ja noch die Chance, daß der Statthalter des Fürsten - er nennt sich Landrat - so ein Theaterstück nicht mag und kräftig auf den Tisch haut, um die beiden Streithähne zur Raison zu bringen. Das wäre wirklich gut - im Interesse des Landes, der Bürger und auch für  ihn selbst und sogar für die beiden Schulzen.  

Übrigens: Wer es noch nicht gemerkt hat: Die Stadt heißt Eberswalde, das Dorf heißt Finowfurt, ist Hauptort der Gemeinde Schorfheide und das Stück Land liegt genau dazwischen - in der Walzwerkstraße.