Offener Brief an den Geschäftsführer der BDG

Sehr geehrter Herr Mehnert,

entsprechend einem Zeitungsartikel vom 31. Jan. 2014 bitten Sie die Bürger, den Müllwerkern ihre Arbeit zu erleichtern. Diese Bitte wird, soweit ich das beurteilen kann, offene Ohren finden. Weiter bieten Sie den Bürgern an, ihren Müll erforderlichenfalls zur (Zitat)  "nächsten, für die Entsorgungsfahrzeuge erreichbaren Stelle" (Ende des Zitats) selbst zu transportieren.

Bürger, die dazu gesundheitlich in der Lage sind, werden vermutlich bereit sein, diese Aufgabe zu übernehmen, selbst wenn die Straßen für die Müllwerker (Zitat) "potentiell zu gefährlich" oder sonst nicht befahrbar sind.

Abgesehen davon, daß nicht jeder Bürger in der Lage oder bereit sein wird, dieses "Angebot" anzunehmen begrüße ich es jedoch als einen Schritt in die richtige Richtung, hier: Liberalisierung des Abfalltransports. Ich hoffe für Sie und wünsche uns Bürgern, daß Sie sich mit Ihrer Auffassung bei der Kreisverwaltung, Ihrer hoheitlich vorgesetzten Dienststelle, durchsetzen werden. Ihr Angebot bedeutet nämlich nicht weniger, als dem Bürger grundsätzlich zu gestatten, seinen Abfall selbst zu transportieren, nämlich dorthin, wo er ihn los wird. d.h. ordnungsgemäß entsorgen kann.

Bisher galt hier ein  Dogma der Kreisverwaltung, wonach genau das dem Bürger untersagt sein soll. Dieses Dogma mußte herhalten, als es darum ging, den Bürgern zu untersagen, ihre Abfälle etwa von der Datsche mit nach Hause zu nehmen und dort in die eigene Mülltonne zu werfen. Damit wurde die Aufstellung einer zweiten Mülltonne auf dem Erholungsgrundstück erzwungen. Die nur eingeschränkte Befahrbarkeit der in Datschensiedlungen vorhandenen schmalen, unbefestigten Wege spielte keine Rolle.



Die weitaus überwiegende Mehrheit der Barnimer Bürger hat kein Verständnis für die - zahlenmäßig wenigen - Mitbürger, die immer wieder gedankenlos und verantwortungslos mit ihren Abfällen umgehen und der Allgemeinheit die Entsorgung ihrer dann "herrenlosen Abfälle" aufbürden. Sie dürfen sicher sein, daß die Mitarbeiter der BDG hier im Landkreis zehntausende Verbündete haben, die es zu mobilisieren gilt, um kostenintensive Überwachungsmaßnahmen (davon konnte man lesen) zu vermeiden. Hier sind Ideen gefragt.

Ihr Anstoß zur Liberalisierung, sehr geehrter Herr Mehnert, soll - so verstehe ich ihn - nicht bedeuten, daß Sie den Anschluß- und Benutzungszwang, der bisher geltend gemacht wurde, lockern wollen. Allerdings darf ich Sie darauf hinweisen, daß Grundstücke, die  nicht angefahren werden, aus welchen Gründen auch immer, natürlich nicht angeschlossen sind, d.h. rechtlich als nicht angeschlossen gelten. Die von Ihnen erbetene Hilfestellung ist ja eine freiwillige Leistung der (ggf. zeitweilig) nicht angeschlossenen Haushalte. Grundsätzlich haben Sie dafür Sorge zu tragen, daß alle Grundstücke, bei denen Sie darauf bestehen (müssen), daß sie an das System angeschlossen sind, auch angefahren werden. Erforderlichenfalls wäre zu überlegen, in bestimmten Siedlungsgebieten dafür geeignete Entsorgungsfahrzeuge einzusetzen.

Vorzugsweise sollten jedoch die Kommunen dafür Sorge tragen, darin dürften sich die Bürger mit Ihnen einig sein, daß alle Straßen ganzjährig - nicht nur für Müllfahrzeuge - gefahrlos befahrbar sind. Grundsätzlich wird es jedoch nicht möglich sein, die Kommunen zu verpflichten, alle Straßen für eine Befahrbarkeit mit 20t oder gar 30t -Fahrzeugen herzurichten. Hier wird die BDG künftig flexibel sein müssen.

In ausdrücklicher Hochachtung vor den Leistungen der Barnimer Müllwerker wünsche ich der BDG weiter gute Ergebnisse und verbleibe
mit freundlichen Grüßen,

Johannes Madeja